Kämmerei bekommt neue Chefin

Am 14. November hat Kämmerin Doris Abel ihren letzten Arbeitstag und geht in den Ruhestand.

Von Antje Götze-Römer
Haan – Als Doris Abel 2019 die Nachfolge von Dagmar Formella als Kämmerin der Stadt Haan antrat, ging dies nicht ganz ohne Gepolter über die Bühne. Dafür hatte nicht Abel selbst gesorgt, sondern ihre Vorgängerin, die wegen Korruptionsverdachts vom Stadtrat suspendiert worden war. Und der Zeitpunkt war auch eher unglücklich, denn der Haushaltsplan für die Stadt Haan befand sich mitten in der Aufstellung. Als bisherige Amtsleiterin war Doris Abel aber bestens mit dem Metier vertraut.
Mittlerweile hat Abel sieben Haushaltspläne aufgestellt und eingebracht. In dieser Zeit habe sich viel getan, sagt sie im Gespräch mit dem Haaner Treff. Nicht nur juristisch, sondern auch situativ – Corona oder der Krieg in der Ukraine beispielsweise. „Unter dem Strich stehen heute alle Kommunen des Landes unter einer enormen finanziellen Belastung“, sagt Abel zur aktuellen Lage.
Das Jahr 2019 bleibt der Kämmerin nicht nur wegen ihres Amtsantritts in Erinnerung: „Wir hatten extrem gute Werte bei der Gewerbesteuer prognostiziert und waren guter Dinge, dass wir aus dem Haushaltssicherungskonzept raus kommen. Wir hatten sogar eine Senkung der Gewerbesteuer in Erwägung gezogen. Und dann kam Corona“. Mit dem 3. NKF-Weiterentwicklungsgesetz, dass NRW-Ministerin Ina Scharrenbach 2024 auf den Weg gebracht hat, konnte Abel lange keinen Frieden machen. „Die Kommunen haben einen schweren Stand und werden vom Land alleine gelassen“, ist Abels Resümee zum derzeitigen Stand der Dinge. Versprechen würden nicht eingehalten, was das Land an finanziellen Mitteln gibt, holt es gleichzeitig an anderer Stelle wieder raus.
Am Freitag, 14. November, hat Doris Abel ihren letzten Arbeitstag, feiert Überstunden ab und restliche Urlaubstage, bevor sie am 31. Januar ihr Amt auch offiziell in andere Hände abgibt.
Der Rat der Stadt Haan hat Anja Esser als neue Kämmerin ausgewählt. Esser arbeitet seit dem Dienstantritt von Doris Abel mit dieser zusammen. Nun ist sie als Hauptverantwortliche für den Haushalt 2026 zuständig. Ein Job, um den sie einige Kollegen im Rathaus nicht beneiden. „Das verstehe ich gar nicht“, sagt Anja Esser. „Ich habe mir genau diese Arbeit vor Jahren ausgesucht und finde Bestätigung darin“. Wenn sie gefragt werde, was sie beruflich macht, antwortet sie oft keck: „Ich mache den Haushalt“. Sie sagt von Doris Abel, dass sie es war, die die „staubige“ Kämmerei umgekrempelt und zu einem modernen und weitgehend digitalisierten Amt gemacht hat.
Anja Esser wirbt um Vertrauen seitens der Mandatsträger im Rat. „Wir sind in allen Themen drin und haben das notwendige Fachwissen“.
Der Haushalt für das Jahr 2026 wird erst am 3. Februar eingebracht. Mit dem Wechsel an der Spitze der Kämmerei hat das eher nicht zu tun, sondern mit Sachzwängen. Der Kreishaushalt ist beispielsweise noch nicht verabschiedet. In diesem Rahmen wird die Höhe der sogenannten Kreisumlage festgelegt, die einen erheblichen Anteil an den Ausgaben der kreisangehörigen Städte hat. Zudem liegen die Rahmenbedingungen des sogenannten NRW-Plans noch nicht vor. Nicht zuletzt hat auch der Ausgang des Bürgerentscheids im Januar mehr oder weniger starken Einfluss auf die Zahlen des Haushalts.
Am 25. März soll der Rat abschließend über den Haushalt für das kommende Jahr abstimmen, bevor er zur Genehmigung zum Kreis Mettmann eingereicht werden kann.