Keine Zeit, um anzukommen
Kommentar von Knut Reiffert
Haan – Auch die Redaktion des Haaner Treffs hat Vincent Endereß als neuem Bürgermeister unserer Stadt gratuliert. Seine Mitbewerberin Meike Lukat hat bei der endgültigen Entscheidung am vergangenen Sonntag aber zumindest einen Achtungserfolg erzielen können, Mit knapp 44 Prozent der Stimmen für die WLH-Kandidaten hatten im Vorfeld nur wenige gerechnet.
Absolut positiv zu bewerten ist, dass sich die beiden Bewerber um den wichtigsten Posten der Stadt im Nachhinein gegenseitig einen fairen Wahlkampf attestiert haben. Das war im Kreis Mettmann nicht überall der Fall.
Wie lange das gute Klima in der Haaner Lokalpolitik anhält, bleibt aber abzuwarten. Denn acht Parteien im Stadtrat – darunter die vom Verfassungsschutz bundesweit als rechtsextremer Verdachtsfall geführte AfD als viertstärkster Fraktion – haben reichlich Konfliktpotenzial. Da ist der neue Vorsitzende immer wieder auch als Mediator gefragt.
Zwar entscheidet noch der alte Stadtrat am 28. Oktober über die Zulassung des Bürgerbegehrens „Stopp des Mega-Schuldenprojektes Rathausneubau Haan“, doch mit den Auswirkungen wird sich nach der konstituierenden Sitzung am 4. November sofort das neugewählte Gremium unter Vincent Endereß befassen müssen. Eine äußerst arbeitsintensive Neuplanung ist derzeit das wahrscheinlichste Szenario.
Doch das ist in Anbetracht der knappen Kassen aller Kommunen nur ein Projekt, wegen dem Vincent Endereß keine Schonfrist eingeräumt werden kann. Die Umgestaltung der Innenstadt und die Bekämpfung der Leerstände sind weitere Aufgaben, die keinen Aufschub dulden. Von der dringend erforderlichen Digitalisierung der Stadtverwaltung ganz zu schweigen. Oder von Themen wie Klimaanpassung oder Mobilität. Denn 2026 werden Haan und Gruiten fünf Monate lang vom Bahnverkehr abgeschnitten sein.
