Auf den Neuen wartet jede Menge Arbeit
Vincent Endereß (CDU) hat die Bürgermeister-Stichwahl mit deutlichem Vorsprung gegen Meike Lukat (WLH) gewonnen.
Von Knut Reiffert
Haan – Als der Beamer am vergangenen Sonntag um 18.13 Uhr bei der öffentlichen Präsentation das erste Ergebnis der Stichwahl um das Amt des Haaner Bürgermeisters zeigte, ging ein Raunen durch den Ratssaal. Im Wahlbezirk 1040 hatte der aufgrund der Resultate bei der Hauptwahl am 14. September favorisierte CDU-Kandidat Vincent Endereß gerade mal drei Stimmen mehr bekommen als seine Mitbewerberin Meike Lukat von der Wählergemeinschaft Lebenswertes Haan (WLH). In Prozent: 50,74 zu 49,26. Die Polizeihauptkommissarin, die zum dritten Mal bei einer Wahl zum Bürgermeister angetreten ist, war positiv überrascht, aber auch bemüht, das erste Ergebnis zu relativieren: „Das ist Bandenfeld, mein eigener Wahlkreis.“
Und in der Tat handelte es sich um eine Momentaufnahme und nicht den Auftakt eines Kopf-an-Kopf-Rennens. Je mehr Wahlbezirke lieferten, desto größer wurde Endereß’ Vorsprung. Lukat lag zwar in den Wahlbezirken 1090 (Grundschule Mittelhaan) und 1170 (Schützenverein) knapp vorne, doch in allen anderen bekam der CDU-Kandidat mehr Stimmen. Besonders deutlich setzte er sich mit 66,29 zu 33,71 Prozent im Bezirk 1140 (Kita Märchenwald) ab.
Als Vincent Endereß um 18.38 Uhr mit Haaner-Kirmes-Schal und in Begleitung seiner Verlobten Lisa Miethke sowie seiner Eltern und vielen Freundinnen und Freunden den Ratssaal betrat, waren 30 der 34 Wahlbezirke ausgezählt und der Ausgang bei 56,51 (Endereß) zu 43,49 (Lukat) Prozent der Stimmen absehbar. Kein Wunder, dass der 34-Jährige mit einem lautstarken Applaus begrüßt wurde.
Zu den ersten Gratulanten noch vor Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses gehörte Meike Lukat. „Ich habe ihm eine glückliche Hand und viel Kraft gewünscht“, erzählte sie nachher dem Haaner Treff. „Die wird er vom ersten Tag an brauchen, bei allem, was in der Stadt im Argen liegt.“ Da ihr Mitbewerber im Wahlkampf immer wieder mit dem Prädikat des Leiters der Wirtschaftsförderung der Stadt Erkrath geworben habe, erwarte sie in diesem Aufgabengebiet besonders viel von ihm. Dazu gehöre auch die Bekämpfung des zunehmenden Leerstands in der Innenstadt und in Gruiten.
Mit ihrem eigenen Ergebnis zeigte sich die 57-Jährige durchaus zufrieden. „Immerhin habe ich über 700 Stimmen mehr bekommen als vor zwei Wochen.“ Durch die Niederlage werde sich für sie nichts ändern. „Die WLH-Fraktion wird im Rat und in den Ausschüssen genauso energisch zum Wohle der Stadt Haan mitarbeiten wie bisher.“
Jüngster hauptamtlicher
Bürgermeister der Stadt Haan
Nach der Gratulationscour räumte der nach eigenen Worten „überglückliche“ Vincent Endereß gegenüber dem Haaner Treff ein, dass ihm die ersten Einzelergebnisse etwas die Entspannung geraubt hätten, mit der er den Tag der Stichwahl verbracht hätte. „Das war enger, als ich gedacht hatte“, sagte der seit seiner Geburt im St. Josef Krankenhaus fest in der Gartenstadt verwurzelte Wahlsieger.
Mit 34 Jahren ist der Absolvent des wirtschaftswissenschaftlichen Masterstudiengangs Sustainability Management an der Bergischen Universität in Wuppertal der jüngste hauptamtliche Bürgermeister in der Geschichte der Stadt Haan. Am 1. November übernimmt er das Büro seiner parteilosen Vorgängerin Dr. Bettina Warnecke, die zeitgleich in Mettmann ihr neues Amt als Landrätin antritt.
Als kommunaler Wahlbeamter ist Vincent Endereß dann sowohl Chef der Stadtverwaltung als auch des Stadtrats, in dem er selbst mit einer Stimme vertreten ist. Durch zahlreiche Repräsentationsaufgaben ist er nach außen hin das neue Gesicht der Stadt Haan.
Dass auf den neuen Bürgermeister in Zeiten kommunaler Finanznöte jede Menge schwierige Aufgaben warten, räumten am Wahlabend auch seine Parteifreunde ein. „Aber wir trauen ihm die erforderlichen Lösungen zu, sonst hätten wir ihn ja nicht nominiert“, erklärte der Gruitener CDU-Chef Jens Lemke. Er hofft gegenüber der Warnecke-Ära auf Kontinuität, ist aber überzeugt, dass der Neue seinen eigenen Stil und eigene Schwerpunkte einbringen wird.
Tobias Kaimer hätte im Endergebnis von Vincent Endereß gerne „eine 6 ganz vorne“ gesehen. Der stellvertretende Vorsitzende des CDU-Stadtverbands war aber letztlich mit dem Ergebnis ebenso zufrieden wie Annette Braun-Kohl, die wie Lemke für die Union künftig weiter im Stadtrat und im Kreistag sitzt.
Eine besondere Herausforderung für Vincent Endereß sieht der bisherige stellvertretende Bürgermeister Klaus Mentrop (CDU) in der künftigen Konstellation des Stadtrats. Bei acht Parteien müsse das neue Stadtoberhaupt viel Kommunikationsarbeit leisten und Fingerspitzengefühl zeigen, um Mehrheiten für die anstehenden wichtigen Entscheidungen zu erzielen.
Kommentar: Keine Zeit, um anzukommen
