Töne, die funkeln wie Edelsteine
Emerald Duo & Friends begeistern beim ersten Sommerkonzert in Gruiten.
Von Sylke Jacobs
Gruiten – Als am Sonntag, 20 Juli, die kleine Kirche der evangelisch-reformierten Gemeinde in Gruiten Dorf ihre Pforten öffnete, funkelten drinnen die Töne wie Edelsteine. Das Emerald Duo präsentierte „Musik aus vier Jahrhunderten“ – ein ganz besonder Musikmoment, voller leuchtender Kraft und das erste Konzert, das im Rahmen der diesjährigen Sommerreihe stattfand.
Das Emerald Duo sind Prof. Dr. Dieter Wulfhorst (Violoncello) und Dr. Susan Doering (Violine). Beide leben und arbeiten in Kalifornien. Doch für Dieter Wulfhorst ist Gruiten nicht nur irgendein Ort auf der Landkarte, für ihn ist es der Klang der Kindheit. Denn sein Urgroßvater, Pastor Vömel, ließ ihn stark mit der kleinen Kirche im Dorf verwachsen, ebenso wie seine Großmutter, die in dieser Kirche das Orgelspiel erlernte.
Einmal im Jahr zieht es deshalb Dieter und seine Frau nach Gruiten, um „Heim zu kommen“ und musikalische Freunde zu treffen: Gesa Wulfhorst, Dieters Schwester, an der Querflöte und Manfred Sander, ein Freund, den das Duo einst bei einem Seminar in Schweden kennengelernt hatte, an der Bratsche. Zusammen bilden sie ein hochkarätiges Quartett, das auch an diesem Tag die rund 30 Zuhörer begeisterte.
Der Auftakt: Das Streichquartett Nr. 12 in F-Dur „Amerikanisches Allegro ma non troppo“ von Antonín Dvořák – erfrischend und heiter, vergleichbar mit Vogelgezwitscher an einem Frühlingsmorgen. Etwas ergreifender bot sich das Solostück von Manfred Sander dar: Max Regers Suite Nr. 1 in g-Moll für Bratsche. Ein Stück das nach innen ging, melancholisch, von Schwere umhüllt, durchzogen Sanders Bratschenklänge den Raum. Die Solos von Sanders, der in Leichlingen und Düsseldorf unterrichtet, sind ein fester Bestandteil im Programm dieser Ensemble-Aufstellung Emerald Duo & Friends.
Der emotionale Höhepunkt kam jedoch mit einem Werk des lettischen Komponisten Pēteris Vasks. Dieter Wulfhorst kündigte es mit einem kurzen Statement an: „Vasks war ein tiefgläubiger Mensch. Seine Musik war sein Widerstand gegen das sowjetische Regime.“ In einer Hütte an der baltischen Küste habe Vasks das Stück geschrieben, führte er fort. „Es beginnt fast in Stille – man muss ganz genau hinhören. Vielleicht hört man sogar die Möven.“ Das Stück erörterte sich wie ein „Kampf in Tönen“ – zwischen Verzweiflung und Wut. Aber es gab auch Hoffnung – gegen das Verstummen, gegen das Aufgeben.
Doch es ist nicht nur die hoch qualifizierte Musik, die das Emerald Duo & Friends ausmacht, immer wieder begeistern sie auf ihren Konzertreisen auch mit Geschichten, die Noten und Worte vereinen.
Viel Zeit für die gemeinsamen Proben blieb allerdings nicht. „Am Mittwoch haben wir mit den Proben angefangen“, berichtete Gesa Wulfhorst, die in Coesfeld unterrichtet. Freitag sei bereits das erste Konzert gewesen. Was dem Ganzen jedoch kein Abbruch tat, bewegt sich doch ihr Können auf sehr hohem Niveau.
Am Ende war das Publikum von den Darbietungen stark berührt – Musik die ans Herz ging, geprägt durch Tiefe und Wärme. Die Zuhörer zeigten ihre Begeisterung mit anhaltendem Applaus – und es gab eine kleine Zugabe. So blieb die Musik noch lange im Raum stehen, auch nachdem die Instrumente verstummt waren.
