Große Teile Haans surfen mit Highspeed

Knapp 300 Kilometer Glasfaserkabel wurden in den vergangenen drei Jahren in Haan verlegt.

Von Antje Götze-Römer
Haan – Ein Großprojekt ist in diesen Tagen zu Ende gegangen: Am Dienstag, 8. Juli, verkündeten der TÜV Rheinland, die Tele Columbus Gruppe und die Stadt Haan voller Stolz, dass die 2022 begonnenen Arbeiten nun abgeschlossen seien.
„Die Versorgung in Haan war schlecht“, blickte Bürgermeisterin Dr. Bettina Warnecke zurück auf die Zeit vor der Umsetzung des Projektes. Derzeit gebe es keine Beschwerden, freute sich die erste Bürgerin Haans.
Bevor überhaupt mit den ersten Baumaßnahmen 2022 begonnen werden konnte, musste eine lange bürokratische Wegstrecke zurückgelegt werden.
Dr. Jürgen Simon, Leiter der Wirtschaftsförderung der Stadt Haan und seit 2016 mit dem Projekt befasst, berichtet, dass zunächst ein technischer Berater habe gefunden werden müssen. Denn: es handelt sich um ein von Bund und Land mit 90 Prozent gefördertes Projekt mit einer Fördersumme von 14,2 Millionen Euro, und damit um eines, das europaweit ausgeschrieben werden musste. Mit dem TÜV-Rheinland, namentlich Jörg Müller, konnte 2017 dann mit den Ausschreibungsverfahren begonnen werden.
2021 wurden die Fördermittel endgültig bewilligt und die Firma Tele Columbus konnte den ersten Spatenstich setzen, im Mai 2023 konnten die ersten Gebäude online gehen.
14,2 Millionen Euro waren für Haan die bis dahin höchste Fördersumme, die in Anspruch genommen wurde.
Drei Jahre nach Beginn der Bauarbeiten meldeten die Verantwortlichen nun „Vollzug“. Auf fast 80 Trassenkilometer wurden knapp 300 Kilometer Glasfaserleitungen verlegt. Der Schwerpunkt des Ausbaus lag auf rund 1.300 Wohn- und Gewerbeeinheiten, in denen zuvor Bandbreiten von weniger als 30 Mbits/s verfügbar waren, sowie weiteren 2.500 Einheiten, die lediglich mit 30 bis 100 Mbits/s versorgt waren.
„Wir können heute zufrieden feststellen, dass es gelungen ist, die Unterversorgung beim schnellen Internet zu beseitigen“, sagen Warnecke und Simon übereinstimmend. Mit 1.000 Mbit/s kann nun gesurft werden.
Davon profitieren auch Bildung und Gewerbe. Alle sieben städtischen Grund- und weiterführenden Schulen konnten mit Glasfaseranschlüssen ausgestattet werden. Alle Gewerbegebiete und in Haan sind angeschlossen oder für einen unkomplizierten Anschluss vorbereitet, ein Zeichen auch für zukünftige Unternehmen, die sich in Haan ansiedeln wollen. „Für Gewerbetreibende, die auf eine stabile und leistungsfähige Internetverbindung angewiesen sind, bieten sich neue Entwicklungsmöglichkeiten an ihren Standorten“, meint Jürgen Simon: .
Während der Ausbauphase waren einige Herausforderungen zu bewältigen. Beispielsweise mussten Spezialbohrer wegen der Bodenbeschaffenheit an einer Stelle eingesetzt werden. In Gruiten wurden 500 Meter Kabel ausgetauscht, weil ein Straßenbauunternehmen das verlegte gekappt hatte – zwei Mal. Sowohl die A46 als auch die achtgleisige Bahnanlage in Gruiten mussten unterquert werden. „Das ist auch für uns nicht alltäglich“, sagt Frank Weichselbaum, Projektleiter bei Tele Columbus für Großprojekte.
Was jetzt noch in Haan an Tiefbauarbeiten mit Glasfaserkabelverlegung zu beobachten ist, gehört nicht mehr zum geförderten Großprojekt, sondern diese werden von dem privatwirtschaftlichen Unternehmen UGG durchgeführt, um die Gebiete zu versorgen, die nicht zu denen gehörten, die unter die Förderkriterien fielen.
„Das jetzt fertig gestellte Netz hat eine Auslastung von derzeit 45 Prozent“, berichtet Mike Spottke, Direktor kommunale Infrastruktur bei Tele Columbus. Da sei noch Luft nach oben, denn „es ist auch jetzt noch nicht zu spät, die Vorteile der Glasfaser zu nutzen. Ein Anschluss weiterer Häuser an das Netz ist technisch weiterhin möglich“.