Wie soll die Kirche der Zukunft aussehen?
Die evangelische Kirchengemeinde beschreitet neue Wege und will über die Zukunft reden.
Von Antje Götze-Römer
Haan – Ist die Kirche im Haan des 21. Jahrhunderts angekommen? Diese Frage stellt sich die Evangelische Kirchengemeinde angesichts sinkender Gemeindemitgliederzahlen, Pfarrstellen und sich verändernder Infrastruktur.
Vor 10 Jahren hatte die Gemeinde rund 8.000 Mitglieder, heute sind es noch 6.200. Vor fünf Jahren gab es noch vier Pfarrstellen, wovon eine von Superintendent Frank Weber besetzt war, heute sind es noch zwei. Das Gemeindezentrum an der Flemingstraße ist nach seinem Abriss Geschichte.
Eine Bilanz, die das Presbyterium der Kirchengemeinde alarmiert hat und gezwungen hat, darüber nachzudenken, ob ein Gegensteuern möglich ist.
„Die Menschen haben einen hohen Anspruch an Kirche. Kirche muss sich verändern, aber es passiert nichts, weil wir in alten Strukturen verhaftet sind“, fasst Pfarrer Christoph Helbig den Kern des Problems zusammen. Er empfindet speziell die sinkende Anzahl an Gemeindemitgliedern als „erdrutschartig“ und wolle nicht sehenden Auges wie die „Titanic den Eisberg rammen und erst mal schauen, welches Lied das Orchester unter Deck spielt“.
Um das zu verhindern hat das Presbyterium nicht nur eine Steuerungsgruppe gebildet, sondern sich professionelle Hilfe in Form der Unternehmensberatung „Kairos“ an die Seite geholt. Die kommt nach ersten Analysen zu einem vielleicht überraschenden Ergebnis: Die Gemeinde in Haan sei schon sehr gut aufgestellt, aber es gehe noch mehr.
Das liegt auch am Netzwerk „Wir sind Haan“, mit dem das Presbyterium eng kooperiert, meint der stellvertretende Vorsitzende des Gremiums, Dirk Raabe. „Wir müssen es besser hinkriegen zu vermitteln, dass die Türen offen sind“, meint Raabe und nennt das Stichwort Sozialraumorientierung
In der Zusammenarbeit mit Kairos hat die Gemeinde nun ein Format gefunden, mit dem sie ins Gespräch mit den Menschen kommen möchte: „Unboxing Haan“ heißt es und entstammt ursprünglich einem Internet-Phänomen, bei dem sich Menschen dabei filmen, wie sie Pakete auspacken. Analog dazu soll das Gemeindeleben in Haan ausgepackt und neu entdeckt werden.
„Wir laden die Menschen ein, um mit uns in einem ergebnisoffenen Prozess Kirche neu zu denken. Wir wollen Kirche als einen lebendigen Ort denken und herausfinden, wie Kirche in Haan neu ‘ausgepackt’ werden kann“, erklärt Gemeindemanagerin Sarah Weidner. „Wir müssen mehr zuhören und vielleicht entdecken wir ja ganz neue Möglichkeiten“.
Das Auspacken der Kirche beginnt am Sonntag, 23. März, um 15 Uhr in der Evangelischen Kirche an der Kaiserstraße. An diesem Tag findet kein Gottesdienst um 11 Uhr statt, sondern der Kirchenraum soll dafür genutzt werden, um mit möglichst vielen Interessierten herauszufinden wohin die Gemeinde steuern soll.
Nach einer kurzen Einführung und Vorstellung eines Ablaufplans, können die Teilnehmer an verschiedenen Stationen über ihre Ideen zu einer offenen und menschenorientierten Kirchengemeinde mit „Kopf, Herz und Hand“ ins Gespräch kommen. Welches sind die ‘heiligen’ Orte für die Haanerinnen und Haaner, mit Klemmbausteinen kann die perfekte Kirche gebaut werden, es kommt Popcorn und eine Fotobox ins Spiel. Schlussendlich geht es um die Beantwortung der Frage: Was wünschen sich die Menschen von der Kirche?
„Das Format ist aber insgesamt völlig offen und kann sogar kurzfristig noch verändert werden“, betont Weidner. Vor allem aber sei die Veranstaltung ergebnisoffen. Alles könne passieren. „Ich bin guter Hoffnung, dass wir zu Ergebnissen kommen“, ist Pfarrer Helbig gespannt und hofft auch auf eine große Zahl an Interessenten, die eine möglicherweise völlig neue Kirche in Haan mitgestalten wollen.
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