Gruitener Backhaus feiert Richtfest

Der Baufortschritt am historischen Backhaus in Gruiten schreitet rasant voran.

Von Susanne Schaper
Gruiten – Zahlreiche Gäste hatten sich am Freitag, 3. Mai, auf dem Dorfanger im Gruiten versammelt, um aus Anlass des Richtfestes mit einem Richtschmaus zu feiern und mitzuerleben, wie Zimmermann Alexander Kusak den Richtspruch für das neu errichtete Backhaus in Gruiten sprach, sein Glas leerte und auf dem Boden des Backhauses zerschellen ließ – was Glück verspricht.

„Mit dem Richtfest befindet sich das ‚Backhaus-Projekt‘ deutlich früher als erwartet ‚unter Dach und Fach’“, freute sich Wolfgang Wahle, Vorstandsmitglied des Fördervereins Haus am Quall. „Dieser Begriff kann bei unserem Vorhaben in der Tat angewandt werden, denn historisch sagt dieser, dass mit den Fachwerkwänden und ihren Gefachen sowie dem abdichtenden Dach das Gebäude soweit fertig gestellt ist, dass im Innern Schutz und Sicherheit für Mensch und Tier besteht“, fügte er hinzu.
In ihrer Ansprache ließ Claudia Köster, Vorsitzende des Vereins, die Baugeschichte des Backhauses Revue passieren. Schon im September 2018 habe es erste Überlegungen gegeben, das Dorf und den Dorfanger mit einem Backhaus zu bereichern.
Lokalhistoriker Lothar Weller hatte heraus gefunden, dass es neben dem Haus am Quall schon im Jahre 1675 ein Qualler Backhaus gegeben hatte. Damals verfügten zahlreiche Höfe und Gebäude über Backhäuser, häufig auch für die gesamte Dorfgemeinschaft.
Im August 2019 stellte der Verein einen Bauantrag, der im Mai 2020 durch die Stadt Haan bewilligt wurde. Corona stoppte zunächst die Aktivitäten. Zwei Jahre später, im Juli 2022 bewarb sich der Förderverein mit dem Projekt um den Heimatpreis der Stadt Haan und bekam den Zuschlag.
Im Oktober letzten Jahres waren genügend Spenden von Privatpersonen sowie Haaner Firmen und Institutionen zusammen gekommen, so dass Claudia Köster und Bürgermeisterin Dr. Bettina Warnecke den symbolischen ersten Spatenstich für das historische Backhaus setzen konnten (der Haaner Treff berichtete).
„Bagger, Trecker und Anhänger wurden organisiert. Am 26. Oktober 2023 wurde mit dem Erdaushub begonnen – und bereits eine Stunde später wieder beendet. Die Baustelle wurde durch die Denkmalbehörde des Landschaftsverbandes Rheinland stillgelegt, weil wir ein altes Fundament in der Baugrube freigelegt hatten“, erinnerte sich Claudia Köster.
Es stellte sich dann heraus, dass es sich um das Fundament eines ehemaligen Anbaus vom Haus am Quall handelte. Das Fundament wurde von der Behörde dokumentiert, und die Bauarbeiten durften weiter gehen. Das Fundament des neuen alten Backhauses wurde fertig gestellt und die Bodenplatte gegossen.

Im März wurde dann der Steinsockel für den Fachwerkaufbau gesetzt. „Vier Tonnen Bruchstein von den Kalkwerken Oetelshofen wurden per Hand sortiert, geladen und nach hier transportiert.
Die Firma Ka Holzbau-Elemente von Alexander Kusak mit Till und Gunter Roehnert fertigte parallel dazu nach unseren Planvorgaben die Fachwerkwände.
Ein Teil der Balken wurde aus riesigen Eichenstämmen mit einem mobilen Sägewerk hier in Gruiten geschnitten“, erläuterte die Vereinsvorsitzende.
Noch fehlen die Füllungen der Gefache mit Lehm, das kleine Häuschen mit dem Ofen und die innere Ausstattung. Für die komplette Fertigstellung, das heißt den Innenausbau, die Anschaffung einer Teigknetmaschine sowie Hygienevorrichtungen werden weitere Spenden benötigt. Etwa 32.000 Euro werden noch benötigt.
Während des Festes hatten die Gäste die Möglichkeit, Pate für ein oder mehrere Gefache der Fachwerkwände zu werden. Rund 7.000 Euro soll das in die Kasse bringen. „Es gab einen erstaunlichen Run auf die Patenschaften. Es sind nur einige wenige übrig geblieben“, freute sich Wolfgang Wahle und ist zuversichtlich, dass sich auch für die restlichen Kosten noch Spender finden werden.