Hochwasserkatastrophe in Haan-Gruiten wird analysiert – Haaner Treff
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Hochwasserkatastrophe in Haan-Gruiten wird analysiert

Wasserverband, Stadt und Feuerwehr führten einen Infoabend im
Bürgersaal durch.

Gruiten – Mitinitiator der Informationsveranstaltung für vom Hochwasser im Sommer direkt Betroffenen am Freitag, 17. Dezember, war der Bürger- und Verkehrsverein gewesen, der in den vergangenen Monaten schon vielfach tat- und finanzkräftige Unterstützung geleistet hatte (der Haaner Treff berichtete).
Schon im Vorfeld hatten die betroffenen Bürger einen Fragenkatalog erarbeitet, der darauf abzielte, die Ereignisse vom 14. Juli einzuordnen und mit künftigen Starkregenereignissen besser umzugehen.
Sowohl Kristin Wedmann, Geschäftsbereichsleiterin Technik vom Bergisch-Rheinischen Wasserverband (BRW), als auch Guido Mering, Leiter im Tiefbauamt der Stadt Haan, als auch Carsten Schlipköter, Leiter Feuerwehr Haan, stellten in ihren Vorträgen ihre Ergebnisse und Rückschlüsse aus der Katastrophe vor. Moderiert wurde die Diskussion von Jan Echterhoff vom Kommunalverband NRW.
In einem Punkt waren sich die Referenten einig: Das Hochwasser vom 14. Juli, wie es einmal in 100 Jahren vorkommt, hätte auch durch die Ausrichtung aller Anlagen auf so ein Jahrhundertereignis nicht verhindert werden können.
„Extrem ergiebiger Dauerregen von 80 Litern pro Quadratmeter in 24 Stunden sowie heftiger Starkregen von 35 bis 60 Litern pro Quadratermeter in sechs Stunden sind auf einen Boden getroffen, der die Wassermassen nicht aufnehmen konnte“, erläuterte Kristin Wedmann.
Dabei sei es bis zum Zeitpunkt kurz vor der Überflutung nicht vorhersehbar gewesen, dass die für Gruiten zuständigen Hochwasserrückhaltebecken tatsächlich überlaufen würden. „Es ist äußerst schwierig exakt vorher zu sagen, wo genau die Regenmassen auftreffen werden. Wenn der Regen ein oder zwei Kilometer entfernt niedergegangen wäre, wäre es vielleicht nicht zur Katastrophe gekommen“, betonte Kristin Wedmann.
Am 14. Juli hätten dann alle Becken über die Notentlastung Wasser abgeben müssen.
Funklöcher in Gruiten haben die Einsatzkoordination erschwert
Im Laufe der Veranstaltung wurde aber auch deutlich, dass es einige Versäumnisse und Mängel gegeben hatte.
So erklärte Carsten Schlipköter, dass 170 beinahe gleichzeitig eingehende Notfallrufe, dazu geführt hätten, dass die Einsätze nicht mehr perfekt koordiniert werden konnten.
Zudem hätte es wegen der Funklöcher in Gruiten Schwierigkeiten gegeben, den Kontakt mit der Leitstelle aufrecht zu halten. Hierfür hätten Bürger ihre Festnetzanschlüsse zur Verfügung stellen müssen.
Auf Unverständnis stieß daher der Hinweis, dass die Bürger in Zukunft stärker auf Warn-Apps zurückgreifen sollen – setzen sie doch ebenfalls Mobilfunkempfang voraus und oftmals auch ein gehöriges Fachwissen, um eine Gefahr richtig einschätzen zu können.
Selbst die Sirenen in Haan entsprächen oft nicht dem Standard und müssten erneuert werden, räumte Carsten Schlipköter ein. „Warum kann dann nicht jemand mit dem Megafon durch den Ort fahren und eine Ansage machen?“, wollte eine Anwohnerin wissen.
Ärger gab es auch über eine behördliche Festsetzung aus dem Jahr 2015, die besagt, dass ein großer Teil von Gruiten-Dorf als Überflutungsgebiet ausgewiesen ist.
Dafür sei die Bezirksregierung zuständig, die Stadt habe darüber hinaus über ihr Amtsblatt, die örtliche Presse und eine Auslegung der Karten informiert, erklärte Guido Mering. Das sahen die Anwesenden als nicht ausreichend an, eine so wichtige Nachricht hätte viel stärker kommuniziert werden müssen.
Die zeitlich knapp bemessene Fragerunde (hierfür waren nur noch 30 Minuten von den zwei Stunden übrig) ließ dann manche Wünsche platzen: „Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz vor Ereignissen wie am 14. Juli, auch wenn wir einzelne Maßnahmen im Rahmen von Hochwasserschutzkonzepten prüfen werden“, erläuterte Kristin Wedmann.
Viele Fragen der Betroffenen
konnten nicht beantwortet werden
Auch viele Fragen blieben offen: Warum hat es fünf Monate gedauert, um ein Treffen anzusetzen, bei dem ein Hochwasserschutzkonzept auf den Weg gebracht werden soll? Wie kann künftig auch trotz des miserablen Funkempfangs besser informiert werden? Warum gibt es keinen Schadens- und Alarmplan von BRW und Einsatzleitstelle?
Auch zahlreiche Fragen aus dem zuvor eingereichten Fragenkatalog konnten aus Zeitmangel nicht beantwortet werden.
Die Referenten versprachen jedoch, die Fragen unabhängig vom Infoabend auch individuell zu beantworten und eventuell einen weiteren Abend anzusetzen. sus