Zurückfließendes Wasser offenbart die Schäden – Haaner Treff

Zurückfließendes Wasser offenbart die Schäden

Haan/Kreis Mettmann – Die Baumschäden halten sich in Haan nach aktuellen Erkenntnissen insgesamt in Grenzen. Einsatzschwerpunkt hier war die Ittertalstraße. Mögliche Gefahrenbäume wurden von Mitarbeitenden des Betriebshofes auf ihre Standfestigkeit untersucht.
Während in anderen kreisangehörigen Städten die Bewohner mit verdrecktem Trinkwasser zurechtkommen und ihr Wasser abkochen mussten, hatten die Stadtwerke Haan die gute Nachricht für die Haaner und Gruitener, dass die Wasserversorgung hier sowohl quantitativ als auch qualitativ gesichert sei. Stadtwerkegeschäftsführer Stefan Chemelli machte sich dennoch vor Ort einen eigenen Eindruck von der Lage in Gruiten-Dorf.
Während am Mittwoch den zweiten Tag in Folge massive Starkregenfälle über das Kreisgebiet zogen, verschärfte sich zum späten Abend hin die Einsatzsituation derart, dass Kreis-Ordnungsdezernent Nils Hanheide in seiner Eigenschaft als amtierender Behördenleiter in Abstimmung mit dem Kreisbrandmeister die Großeinsatzlage für das Kreisgebiet feststellte.
„Als Großeinsatzlage gilt ein Geschehen, in dem Leben oder Gesundheit zahlreicher Menschen, Tiere oder erhebliche Sachwerte gefährdet sind und aufgrund eines erheblichen Koordinierungsbedarfs eine rückwärtige Unterstützung der Einsatzkräfte erforderlich ist, die von einer kreisangehörigen Gemeinde nicht mehr gewährleistet werden kann“, erklärt Hanheide. Seit Mittwochabend leitete und koordinierte der Kreis Mettmann die Gefahrenabwehrmaßnahmen.
In der Krisenstabssitzung am Donnerstagvormittag ergab sich nach Schilderungen von Kreisbrandmeister Torsten Schams folgendes Lagebild: Von den Überschwemmungen sind alle Städte betroffen, am heftigsten Erkrath, Hilden, Langenfeld und Velbert, am wenigsten Heiligenhaus und Wülfrath. Aus Bächen waren reißende Ströme geworden, Regenrückhaltebecken waren allesamt übergelaufen, die Abwassersysteme überlastet. Pumpen kamen gegen die Wassermassen kaum an, Sandsäcke erwiesen sich als wirkungslos.
„Die Wassermassen, mit denen wir es hier zu tun haben, übertreffen sogar die Prognosen für ein Jahrtausendhochwasser“, sagt Schams. Bereits am Mittwoch wurde eine Frau in Mettmann durch einen umgestürzten Baum schwer verletzt. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel auf Seite 11.
Darüber hinaus sind glücklicherweise bislang im ganzen Kreis keine weiteren unwetterbedingten Personenschäden zu beklagen.
Die Sachschäden sind allerdings enorm; das ganze Ausmaß lässt sich noch gar nicht abschätzen. Betroffen sind unter anderem auch kritische Infrastrukturen (Umspannwerke, Trafostationen) und Verkehrswege sowie hohe Sachwerte. In Erkrath mussten 600 Menschen evakuiert werden, ein Altenheim in Velbert-Langenberg war zeitweise ohne Strom und musste ebenfalls evakuiert werden.
Von Mittwoch auf Donnerstag verzeichnete die Kreisleitstelle in der Spitze 1.700 Einsätze, 200 waren am Donnerstagmorgen noch offen, weitere Einsätze wurden noch erwartet. Allein am Mittwoch gingen bei der Kreisleitstelle 12.000 Notrufe ein.
Alle Feuerwehren, die Hilfsorganisationen und das THW waren an zahlreichen Einsatzstellen im gesamten Kreisgebiet im Einsatz und werden hierbei durch überörtliche Kräfte unterstützt. Hilfe gab es unter anderem von den Feuerwehren aus Duisburg, Kleve, Wesel, Krefeld, Viersen, Mönchengladbach und Steinfurt. Auch von der Bundeswehr kamen im Laufe des Donnerstags Unterstützungskräfte.
Nach den heftigen und lang anhaltenden Niederschlägen am Mittwoch war die Rheinbahn in den meisten Teilen ihres Netzes zuverlässig in den Donnerstag gestartet. Lediglich in den Randbezirken, im Süden Düsseldorfs und in einigen Teilen der benachbarten Kommunen, kam es aufgrund von Straßensperrungen und Überschwemmungen weiterhin zu vereinzelten Umleitungen und Ausfällen.
Den gesamten Donnerstag über mussten die Kunden aber im gesamten Bedienungsgebiet mit Verspätungen auf den Buslinien rechnen.
Die noch am Mittwochabend befürchtete Überflutung des Betriebshofs Benrath durch die angrenzende Itter ist bis auf kleinere Wassereinbrüche ausgeblieben. Gemeinsam mit der Feuerwehr beobachtete die Rheinbahn fortwährend die Pegelstände. Vorsorglich waren noch am Mittwochabend 110 Busse und sechs Bahnen am Südpark und auf dem Betriebshof Lierenfeld abgestellt worden, von wo sie am Donnerstagmorgen wieder auf Strecke gingen. Dadurch kam es vor allem in den frühen Morgenstunden zu Verspätungen.
In Gruiten hatte sich am Donnerstag die Lage zwar entspannt, aber: „Die Flutwelle ist durch. Düssel und Kleine Düssel fließen fast so als wäre nichts gewesen. Aber die Schäden an Gebäuden, Einrichtungsgegenständen, Straßen und Wegen sind wohl die größten seit Menschengedenken. Was an Mobiliar und Haushaltsgeräten vor den Häusern steht, was in Containern auf den Abtransport wartet oder schon abgeholt wurde, ist erschreckend“, fasst Lothar Weller zusammen.
Bäche und Flüsse haben sich inzwischen überwiegend wieder in ihre ursprünglichen Betten zurückgezogen und offenbarten die am Mittwoch und Donnerstag verursachten Schäden. Gleichzeitig wurde die enorme Zerstörungskraft der Wassermassen offensichtlich, die Möbelstücke, Geröll und Baumteile mit sich gerissen haben, die nun überall herumliegen und zusätzlich zu privaten Einrichtungsgegenständen entsorgt werden müssen.
Viele hauptamtliche und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer packen mit an, um überflutete Keller, Wohn- und Geschäftsräume sowie Gemeinschaftseinrichtungen auszuräumen, zu reinigen und zu trocknen. Die Solidarität ist überwältigend.
Um die vom Hochwasser besonders Betroffenen in Gruiten-Dorf schnell und unbürokratisch zu unterstützen, hat die Stadtverwaltung die kurzfristige Bereitstellung von Containern zur Sperrmüllentsorgung organisiert. Standort ist der Parkplatz an der Kirche.
Alle zwischenzeitlich erforderlichen Straßensperrungen konnten wieder aufgehoben werden. Lediglich auf Fußwegen kann es noch vereinzelt zu Sperrungen kommen, bis der Betriebshof auch diese aufräumen kann.
Die Stadtverwaltung bittet darum, die Nähe von Wasserflächen aus Sicherheitsgründen noch zu meiden.
Inzwischen ist ein Hilfsangebot aus der Partnerstadt Eu angekommen, das konkret die Entsendung einiger französischer Feuerwehrleute aus der Region beinhaltete. Trotz der Freude über dieses Angebot wurde davon zunächst kein Gebrauch gemacht, weil die hiesige Feuerwehr die Lage im Griff hat und zudem große Herausforderungen in Sachen Kommunikation und Ortskenntnisse zu erwarten wären.
Neben den vielfältigen Schäden für Haanerinnen und Haaner wurden stündlich weitere Schäden auch an der öffentlichen Infrastruktur sichtbar. Diese werden von den zuständigen Bereichen der Verwaltung derzeit erfasst und in den nächsten Wochen mit groben Kostenschätzungen zur kurzfristigen Reparatur oder Sanierung versehen. Absehbar ist unter anderem eine vollständige Sanierung des Pflasters in Gruiten-Dorf.
Nachdem die Kreisleitstelle auch am Donnerstag 10.000 Notrufe verzeichnete und die Feuerwehren noch einmal rund 900 unwetterbedingte Einsätze zu bewältigen hatten, hat sich die Lage im Kreis Mettmann inzwischen so weit beruhigt, dass Kreis-Ordnungsdezernent Nils Hanheide in seiner Eigenschaft als amtierender Behördenleiter in Abstimmung mit Kreisbrandmeister Torsten Schams am Freitag die Großeinsatzlage für das Kreisgebiet für beendet erklären konnte.
Bis auf wenige Resteinsätze wurden alle Einsätze abgearbeitet.
Die drohende Evakuierung eines Altenheims in Velbert-Langenberg konnte abgewendet werden. Der Schwerpunkt der Einsatztätigkeiten lag zunächst beim Auspumpen, insbesondere von Tiefgaragen. Hierbei unterstützte das THW. Und natürlich liegen jetzt umfangreiche Aufräumarbeiten an.
So gut wie alle Feuerwehren im Kreis befinden sich wieder im Regeldienst und wollen baldmöglichst in Kommunen, die noch stärker betroffen sind, auch überörtliche Hilfe leisten.
„Alles in allem hat der Kreis noch viel Glück gehabt. Zwar gibt es erhebliche Sachschäden; neben der bereits am Mittwoch durch einen umgestürzten Baum verletzten Mettmannerin sind aber gottlob keine weiteren Personenschäden zu beklagen“, zeigt sich Nils Hanheide erleichtert. „Unser Dank gilt den Feuerwehren, den Hilfsorganisationen, dem THW, der Bundeswehr, der Polizei, den Unterstützungskräften der umliegenden Gebietskörperschaften und allen, die dazu beigetragen haben, dass die Herausforderungen dieser außergewöhnlichen Lage so professionell und effektiv gemeistert werden konnten“. agr