Kalkwerke dürfen Abraumhalde erweitern – Haaner Treff

Kalkwerke dürfen Abraumhalde erweitern

Unternehmen hofft auf Versachlichung der Diskussion rund um das Gelände Osterholz.

Haan/Wuppertal – „Mit der heutigen Zustellung des Planfeststellungsbeschlusses zur Genehmigung der Erweiterung der Halde Oetelshofen erhalten wir nun die rechtliche Möglichkeit, das geplante Vorhaben umzusetzen“, erklärte Till Iseke von der Geschäftsführung der Kalkwerke Oetelshoven am Montag, 31. Mai.
Durch das lange Genehmigungsverfahren für die Erweiterung einer Abraumhalde, das im Jahre 2017 begonnen wurde und durch die detaillierte Ausarbeitung in Abstimmung mit sämtlichen beteiligten Behörden, Verbänden und den Städten Wuppertal und Haan sehe sich das Unternehmen fachlich und rechtlich optimal aufgestellt.
Der Genehmigungsbescheid berücksichtige auch kritische Anmerkungen und Vorschläge von privaten Einwendern und Trägern öffentlicher Belange. Im Planfeststellungsverfahren wurden zahlreiche denkbare, vorgeschlagene und von Amts wegen ermittelte Alternativen untersucht. Sämtliche Alternativen wurden unter Berücksichtigung diverser Aspekte detailliert ausgeführt und abschlägig bewertet. Somit bleibe als einzig umsetzbare Alternative die Erweiterung der bestehenden Halde, zumal hierbei die Inanspruchnahme von Fläche in bestmöglichem Verhältnis zum generierten Ablagerungsvolumen steht.
„Die entstehende Halde wird wieder großflächig aufgeforstet, so dass es letztendlich keinen Verlust an Waldfläche gibt. Gleichzeitig entstehen sogar weitere Biotope für Arten, deren Vorkommen und Brut-habitate im Wuppertaler Stadtgebiet fast oder ganz ausschließlich auf das jetzige Betriebsgeländes begrenzt sind, wie Feldlerche, Flussregenpfeifer und Kreuzkröte“, betont Till Iseke erneut, angesichts der Proteste, die es gegen die Halde gibt.
Der zeitliche Verzug, bis aus den Neuanpflanzungen auf der Haldenerweiterung wieder ein vollwertiger Wald entstehe, so wie er schon auf dem südöstlichen Teil der Halde vom Wanderweg aus zu sehen ist, werde durch verschiedene Waldaufwertungsmaßnahmen im Osterholz und in der nahen Umgebung kompensiert.
Dazu gehören auch 27 ausgewiesene Habitatbäume und deren Umgebung, die forstlich in Zukunft nicht genutzt werden, sowie Artenschutz durch das Belassen von Totholz im Wald und der Umbau von Waldbereichen in einen natürlichen, standortgerechten und klimastabilen Zukunftswald.
„Nach unserem Gesprächsangebot in 2019 ist es zu mehreren Treffen mit der Bürgerinitiative und Vertretern aus der Waldbesetzung gekommen. Die zu anfangs positive Gesprächsatmosphäre wurde allerdings bald von der Polemik der Kritiker überschattet, die im Frühjahr 2021 sogar zum Verbarrikadieren von Wander- und Rettungswegen im Osterholz mit Stacheldraht und Baumstämmen führte“, fasst Iseke die Kommunikation zusammen. Beinahe wöchentlich komme es seitdem zu Bedrohungen, Beleidigungen und Übergriffen gegenüber Mitarbeitern des Unternehmens sowie zu Hausfriedensbruch und Sachbeschädigungen. „Diese Entwicklung ist insofern bedauernswert, da die Energie auch konstruktiv genutzt werden könnte, um gemeinsam mit uns den Steinbruch und sein Umfeld auch langfristig positiv zu gestalten. Das fängt bei gemeinsamen Gedanken über zukunftsfähige Bäume im Osterholz an, geht über wichtige Überlegungen zur Rohstoffnutzung im Sinne der Kreislaufwirtschaft, bis hin zu diversen Artenschutzprojekten auf dem Betriebsgelände. Wir appellieren nach wie vor inständig an die Waldbesetzung und deren Unterstützer, gesetzeswidriges Verhalten einzustellen und zu unterlassen, die Diskussionen nicht weiter mit falschen Fakten und Polemik aufzuladen und zurück zu einem sachlichen und fairen Diskurs zu kommen“, hofft Till Iseke auf eine Versachlichung der Diskussion.
Kalk und Kalkstein hätten seit Jahrtausenden Schlüsselfunktionen in vielseitigen Bereichen des Lebens. „Auch in der Zukunft werden wir auf diesen wichtigen Rohstoff angewiesen sein, ob in Industrie, im Bau oder in den vielseitigen Umweltanwendungen“.
Die nachhaltige und effiziente Nutzung der hochwertigen Lagerstätte der Grube Osterholz sei also auch weiterhin von öffentlichem Interesse.
Die Aufgabe als unabhängiges, nachhaltig und langfristig denkendes Familienunternehmen sei aber nicht nur die Sicherung dieses Rohstoffs, sondern auch die soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und deren Familien, sowie die Pflege der Flächen in ihrem Besitz, also auch dem Osterholz.
„Für konstruktive und sinnvolle Unterstützung und Zusammenarbeit haben wir auch weiterhin ein offenes Ohr“, sagt Till Iseke.
Derweil hat die Fraktion der Wählergemeinschaft Lebenswertes Haan (WLH) einen entsprechenden Tagesordnungspunkt im Ausschuss für Umwelt und Mobilität (UMA) beantragt. Auch die Initiative „Osterholz bleibt!“ hat sich zu den aktuellen Ereignissen geäußert. agr