Firma kauft Baumarkt-Areal – Haaner Treff

Firma kauft Baumarkt-Areal

Werkzeughersteller aus Solingen-Wald möchte an der
Böttingerstraße 70 Stellen schaffen.

Haan – Für Thomas Küll war der Besuch der Sitzung des Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr (SUVA) eine Premiere: „Das war das erste Mal, das ich einem politischen Gremium beigewohnt habe“, berichtet der Familienvater aus Haan. „Ich fand das sehr spannend und bin froh, dass eine Polizeiwache in der Stadtmitte bleibt.“
Doch das war nicht wirklich der Tagesordnungspunkt, der Küll in die Aula des Schulzentrums an der Walder Straße geführt hat. Die Verwaltung hatte ihn in seiner Funktion als Geschäftsführer des in Solingen ansässigen Werkzeugherstellers NWS eingeladen. Denn das 1973 vom Haaner Willibald Nöthen gegründete Familienunternehmen kauft das seit Jahren leerstehende Hagebaumarkt-Areal an der Böttingerstraße und wird auch Gewerbesteuer an die Gartenstadt abführen.
„Vor drei Jahren waren wir schon einmal daran interessiert“, erklärt Küll dem Haaner Treff. „Der damalige Kaufpreis war für uns aber finanziell nicht darstellbar.“ Der habe sich in der Zwischenzeit unter anderem durch einen Wechsel des zuständigen Immobilienfonds merklich reduziert. „Wir haben gesehen, dass es jetzt immer noch zu uns passt und zugegriffen.“ Ausschlaggebend sei vor allem die Ebenerdigkeit des Gebäudes und die verkehrsgünstige Lage.
„Der alte Standort an der Röntgenstraße in Solingen-Wald war für uns einfach nicht mehr wirtschaftlich“, erklärt der NWS-Geschäftsführer. Dort habe man auf einem 6500 Quadratmeter großen Grundstück 2500 Quadratmeter Nutzfläche gehabt – aber unvorteilhaft auf mehrere Etagen verteilt.

NWS möchte am neuen Standort
auch ausbilden


In Haan stehen seinem Unternehmen 4000 Quadratmeter Nutzfläche auf einer Ebene sowie 8600 Quadratmeter Grund zur Verfügung. Und damit hat NWS viel vor. „Es sind zunächst umfangreiche Sanierungen sowohl innen als auch außen erforderlich“, weiß Küll. Ein besonderes Augenmerk soll dem Umfeld und dem Baumbestand gelten. „Unsere Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen, wenn sie aus dem Fenster gucken.“ Das entspreche auch der Philosophie des Gründers, der mit 91 Jahren noch aktiv am Firmengeschehen teilnehme. „Willibald Nöthen fordert uns immer wieder auf, Natur und Arbeit unter einen Hut zu bringen.“
Auch gestalterisch plant NWS für den neuen Standort einen großen Wurf. „Entsprechende Visualisierungen liegen mir schon vor, doch die möchte ich erst nach dem 10. Juni veröffentlichen“, bittet Thomas Küll noch um etwas Geduld. Hintergrund: Endgültig fällt die Politik den Beschluss, das Objekt Böttingerstraße für gewerbliche Nutzung zuzulassen, erst am 9. Juni (siehe unten).
Rund 70 Mitarbeiter sollen am neuen Sitz tätig sein. „Mit Willibald Nöthen und mir sind ja schon zwei Haaner an Bord“, erklärt Thomas Küll augenzwinkernd. Da der Umzug aus Solingen auch der Expansion dient, hofft er für die Zukunft auf weitere Mitarbeiter aus der Gartenstadt. Im kaufmännischen und logistischen Bereich soll an der Böttingerstraße auch ausgebildet werden.
Im Übrigen kündigt der Geschäftsführer für Haan einen ausgesprochenen leisen Betrieb an. „Vorgelagerte Prozesse wie das Schmieden sollen unter Mitwirkung von NWS vorerst in Solingen bleiben“, erklärt er. Darüber hinaus hat das Unternehmen noch jeweils ein Werk in Steinbach-Hallenberg und Schwarza. „Mit Haan sind das dann vier Standorte“, rechnet Küll vor und kündigt auch für die thüringer Betriebe strukturelle Veränderungen an. „Am Ende sollen zwei, maximal drei Standorte übrigbleiben.“ Insgesamt beschäftigt NWS derzeit 130 Mitarbeiter, davon 50 in Solingen. ff

Infos
BESCHLUSS
Weil die Fraktion der Grün-Alternativen Liste (GAL) noch Beratungsbedarf hat, gab es im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr (SUVA) noch keine endgültige Entscheidung, ob das ehemalige Baumarkt-Gelände für gewerbliche Zwecke zugelassen wird. Die soll im Haupt- und Finanzausschuss am 9. Juni fallen.
STELLUNGNAHME „Eine hervorragende Unternehmensvorstellung“ attestiert Meike Lukat von der Wählergemeinschaft Lebenswertes Haan (WLH) NWS-Geschäftsführer Thomas Küll. „Klasse war unter anderem, dass er sofort den Antrag unserer Fraktion aufgegriffen hat, wie man mit gestapelter Nutzung flächensparend bauen kann.“ Hintergrund: Die WLH hatte sich im Vorfeld für eine Wohnnutzung in Teilbereichen ausgesprochen.