Haaner Treff - Haaner Treff
04.04.2018

Tafeln versorgen nicht, sie unterstützen


Hubert Gering leitet in der Funktion des Geschäftsführers der SKFM den Betrieb der Haaner Tafel. Die Mitarbeiter stellen sich ehrenamtlich in den Dienst der Bedürftigen in unserer Gesellschaft. HT-
In Haan beziehen weniger Einwohner staatliche Hilfe als durchschnittlich in NRW.

Haan - Auch wenn die Hälfte der Bevölkerung laut einem Report der Bundesbank von der Hand in den Mund lebt: Wird es finanziell eng, kann jedermann staatliche Hilfen in Anspruch nehmen.
Das Angebot Tafeln richtet sich an Wohnungslose, Arbeitssuchende, Alleinerziehende, kinderreiche Familien, Aufstocker, Rentner und Asylsuchende. Kurz: An alle, bei denen das Geld ständig knapp ist. Der Grundsatz lautet wie überall in Deutschland: Tafeln unterstützen, Tafeln versorgen nicht. Wer kommt, spart etwas Geld, für Dinge, die die klamme Haushaltskasse sonst nicht hergibt.
Die Tafel in Haan existiert seit 2006. Wäre sie ein gewerbliches Unternehmen, schilderte man Lage etwa so: Unser Geschäftsmodell: Das Einsammeln und Verteilen von Lebensmitteln. Die Ware stellt der Handel kostenlos zur Verfügung. Die Empfänger sind Menschen mit geringem Einkommen. Das Geschäftsziel: Die Minderung der großen Menge Lebensmittel, die Tag für Tag im Müll landet. Weiteres Ziel: die Verbesserung der Lage von Bedürftigen. Personalkosten: keine. Mieten: keine. Rendite: das gute Gefühl bei den aktiven Helfern, etwas Sinnvolles zu tun.
In Haan beziehen acht Prozent der Einwohner Hartz IV. Das liegt deutlich unter dem Durchschnitt von NRW (11,9 Prozent). Jede Woche kommen dienstags 100 bis 120 Kunden zur Tafel und nehmen Lebensmittel für etwa 350 Personen in Empfang.
Geschäftsführer Hubert Gehring fragt sich öfter, ob tatsächlich so viele allein mit dem zurecht kommen, womit sie der Staat unterstützt. Das wäre erfreulich. Oder ist es eher so, dass viele der 2.400 Haaner, die von staatlicher Stütze leben und berechtigt wären, den Weg nicht finden? Wo bleiben die, bei denen es klemmt?
Hubert Gehring führt die Geschäfte des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer (SKFM). Eine Einrichtung, die Menschen in Lebenskrisen berät, unterstützt oder die Anleitung zur Selbsthilfe anbietet. Die Tafel ist eines der Angebote des SKFM.
Wir prüfen, sagt er, sind aber nicht die Strengsten. Jeder, der nachfragt, kann erstmal zur Tafel gehen. Für akut in Not geratene Bürger schaut man jederzeit im Lager nach und packt eine Kiste mit Lebensmitteln. Damit sie erstmal über die Runden kommen.
Isolde Fischer und Paul Feinen verladen die Lebensmittel, die zur Verfügung gestellt werden, beispielsweise durch Supermärkte. Bald steht ihnen ein neues Fahrzeug zur Verfügung. Außen blütenweiß, wie der Geschäftsführer betont. Die Vermarktung der Fläche als Werbemedium sei ein Baustein zur Deckung der laufenden Kosten. Ein Drittel generiert der SKFM aus den zwei Euro, die jeder Kunde im Tafelladen bezahlt. Das übrige Geld kommt über öffentliche Zuschüsse und Spenden von Firmen, Gruppen und Privatleuten zusammen.
Wo drückt der Schuh? Nicht bei der Anzahl der Mitarbeiter, nicht im Umgang mit denen, die kommen. Der Anteil Nichtdeutscher, die um Lebensmittel nachfragen, hat sich verändert. Von 10 auf aktuell 50 Prozent.
Ein Herausforderung, aber eine lösbare. Hubert Gering wünscht sich für die Tafel zusammenhängende Räume, bei denen Lager, Ausgabe und Verwaltung an einem Ort sind.
Derzeit bauen die Mitarbeiter jede Woche Tische und Theken für die Lebensmittelausgabe im Haus der Freien Evangelischen Gemeinde an der Ellscheider Straße auf und räumen anschließend wieder auf.
„200 Quadratmeter, plus Nebenräume und Stellplätze. Das wäre schön, aber illusorisch“, sagt Hubert Gering. Denn Ausgaben von 2.000 Euro jeden Monat kann die Haaner Tafel nicht stemmen. ffu
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