Haaner Treff - Haaner Treff
24.01.2018

Kunstprojekt: Der Himmel über Haan spiegelt sich an der Rathausfassade


Die Montage des Spiegels entpuppte sich als tückisch und brauchte insgesamt zwei Anläufe, bis er im Verlauf der vergangenen Woche endlich klappte. HT-Foto: Wolf de Haan
Seit vergangener Woche ist Haan um ein Kunstobjekt reicher, den „Himmel über Haan“.

Haan - Es gibt zum Glück auch Fälle, bei denen die Feuerwehr eingreift, obwohl kein echter Notfall vorhanden ist.
So geschehen in der vergangenen Woche in Haan, als das neueste Kunstprojekt des Haaner Künstlerduos schneider+mombaur seinen Platz an der Fassade des Rathauses an der Kaiserstraße finden sollte.
Zunächst hatte der Spiegel, der über Fugen verfügt und sich in ein „immer schon vorhandenes“, aber blindes, also „dysfunktionales“ Fenster des Rathauses einfügt, nämlich schon Anfang Dezember seinen Platz finden sollen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich ein Gerüst eines anderen Handwerkers dort befunden und sollte bei der Installation gute Dienste leisten. Immerhin 2,15 Meter hoch und 1,48 Meter breit ist der Spiegel und er wiegt etwa 70 Kilogramm.
Allerdings ist beim Transport ein Missgeschick geschehen: Der Spiegel zerbrach und musste neu angefertigt werden. Also musste dieses mal die Feuerwehr ran, dies unter erschwerten Bedingungen, denn die ersten Ausläufer des Sturmtiefs Friederike kündigten starke Winde an.
Ein Video der Montage finden Sie auf der Facebookseite des Haaner Treffs: facebook.de/HaanerTreffOnline.
Nun also lacht er uns an, der „Himmel über Haan“, der sich fortwährend und ungeachtet der Wetterlage in dem Fenster, das keines ist, spiegelt.
Das Künstler-Duo schneider+mombaur, das zum Lutherjahr 2017 bereits die Installation Solus Christus 3.D.0 in der evangelischen Kirche zeigte, realisierte jetzt mit Unterstützung von Haaner Firmen und Handwerker ein neues Kunstprojekt an der historischen Rathausfassade.
„Der Himmel über Haan“ öffnet quasi das blinde Fenster am Südflügel des Rathauses. Kunstgeschichtlich betrachtet verbindet das Motiv des Fensters innen und außen, Nähe und Ferne und ist in der Romantik Metapher für die Sehnsucht des Individuums, aus der irdischen Befangenheit ins Unbegrenzte vorzustoßen. Ist das Fenster zugemauert, ist diese Option verbaut. Von innen meist unbemerkt, bleibt der blinde Fleck, das Fenster ohne Funktion, von außen für den aufmerksamen Betrachter sichtbar. Formal passt sich das blinde Fenster in das Gebäude ein.
In der Spiegel-Installation wird das Fenster durch die den Mauerverbund aufgreifende Struktur des Spiegels in seiner Disfunktionalität enttarnt. Andererseits holt der Spiegel - nicht nur metaphorisch - den Himmel zurück ins Gebäude und damit die Idee der Weite, der Weitsicht und Vision. Im Kontext von Politik, wie am Rathaus der Stadt Haan und dem Ratssaal hinter diesem Fenster, eine bemerkenswerte Deutung und auch ein künstlerisches Augenzwinkern.
Das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland hatte im Vorfeld bezüglich historischer Architekturelemente auch im Sinne der Denkmalpflege das Projekt grundsätzlich als unterstützenswert empfunden.
Und ist das jetzt auch wirklich Kunst? schneider+mombaur sagen dazu: „Kunst muss einen Prozess auslösen, so dass man es mit Gewinn mehrmals anschauen kann. Die Verfremdung ist das zentrale Prinzip der Kunst, nicht das Abmalen von Fotos“. agr
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