Haaner Treff - Haaner Treff
10.01.2018

2017 war ein Jahr der Sturmeinsätze


Bestandteil des jährlichen Neujahrsempfangs der Haaner Feuerwehr sind Beförderungen und Auszeichnungen, die an diesem Abend vom stellvertretenden Bürgermeister Klaus Mentrop vorgenommen wurden. HT-
Die Feuerwehr Haan zog auf ihrem Neujahrsempfang Bilanz über ihre
Einsätze im Jahr 2017.

Haan - Im vergangenen Jahr hatte die Feuerwehr insgesamt 6.167 Einsätze zu verzeichnen. Das sind zwar 913 Einsätze weniger als noch im vergangenen Jahr, allerdings haben sich im Bereich der technischen Hilfeleistungen speziell die Sturm- und Wassereinsätze mit 108 verdreifacht. Insgesamt rückte die Haaner Wache 549 mal aus, um Menschen oder Tiere aus Notlagen zu befreien, bei Verkehrsunfällen oder Gefahrgütern aktiv zu werden. Im Vorjahr betrug die Anzahl derartiger Einsätze noch 421.
„2017 war ein Jahr der Sturmeinsätze“ resümierte dann auch Mirko Braunheim als Pressesprecher der Haaner Feuerwehr beim jährlichen Neujahrsempfang am vergangenen Freitag, 5. Januar.
Die Zahl der Hilfeleistungen sei in diesem Bereich erneut massiv angestiegen.
Gestiegen ist die Anzahl der Einsätze bei der Notfallrettung von 2.922 im Jahr 2016 auf nun 3.343. Die Anzahl der Krankentransporte ist von 3.580 auf 2.092 gesunken. Insgesamt ist also ein Rückgang zu verzeichnen
„Der erhebliche Rückgang der Einsatzzahlen im Rettungsdienst beruht auf den fast 1.500 weniger durchgeführten Krankentransporten“, berichtete Braunheim. Überall im Kreis sinke diese Zahl. Darauf reagiere der im vergangenen Jahr verabschiedete Rettungsdienstbedarfsplan des Kreises: Die Zahl der Krankentransportfahrzeuge werde stark reduziert.
„In der Folge werden vermutlich zukünftig unsere Krankentransportzahlen wieder steigen, weil wir unabhängig von Stadtgrenzen künftig zentral disponiert werden“, erklärte Mirko Braunheim.
Von den 3.343 Notfalleinsätzen wurden 962 zusammen mit einem Notarzteinsatzfahrzeug. „Allerdings gilt hier, dass in gut jedem vierten Fall kein Patiententransport durchgeführt wurde, also eine Behandlung vor Ort erfolgte oder kein Handlungsbedarf für den Rettungsdienst bestand“. Überhaupt steige die Anzahl der Notfallrettungseinsätze stetig an.
Für Verständnis für ständig wachsende Anforderungen bei den Sicherheitsbestimmungen warb der Haaner Feuerwehrchef Carsten Schlipköter. Der Hochhausbrand in London im Juni des vergangenen Jahres habe gezeigt, dass die Bau- und Brandschutzvorschriften in Wohngebäuden und deren Überwachung eben nicht, wie mancherorts behauptet, mehr als ausreichend gewesen seien.
Zwar habe der Flughafenbrand in Düsseldorf im Jahre 1996 umfangreiche Veränderungen im Brandschutzwesen in Deutschland bewirkt. Ob der Hochhausbrand in London ähnliche Veränderungen nach sich ziehe, bleibe abzuwarten. Der Bedarf jedoch werde fachlich und politisch erkannt.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat für Forschungsprojekte im Bereich des Brandschutzes 400 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, und die EU beabsichtigt, für die zivile Sicherheitsforschung in den nächsten Jahren über drei Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen.
„Seien wir gespannt auf die Forschung und die Ergebnisse. Wir können uns aber jetzt schon sicher sein, dass die Ergebnisse Defizite aufzeigen und somit Handlungszwänge beinhalten. Die zivile Sicherheit wird für uns alle auch in den nächsten Jahren ein spannendes Thema bleiben“, sagte Schlipköter in seiner Begrüßungsrede.
Er beklagte aber auch den Fachkräftemangel. Losgelöst von der Besetzung bestimmter Funktionen in der Haaner Wache gebe das Thema der hauptamtlichen Personalentwicklung Anlass zu großer Sorge. Seit dem vergangenen Jahr scheint landesweit der Personalbedarf bei den Feuerwehren beim Brandschutz und dem Rettungsdienst nochmals erheblich anzusteigen. Nahezu jede Feuerwehr suche ausgebildetes Personal, und selbst die Suche nach Ausbildungsplätzen für Brandmeisteranwärter werde zunehmend schwerer und bedarf eines Vorlaufs von bis zu zwei Jahren.
„Wenn in der freien Wirtschaft freie Stellen nicht besetzt werden können, da Fachkräfte nicht zur Verfügung stehen, dann ist das eine schwierige Situation, da Aufträge nicht angenommen oder Projekte nicht zeitgerecht 5 umgesetzt werden können. Bei den öffentlichen Dienstleistern mit Sicherheitsaufgaben wie im Bereich der Feuerwehr und des Rettungsdienstes führen fehlende Kräfte zwangsläufig zu weitreichenden Problemen“, fordert Schlipköter Lösungen für Probleme, die mittelfristig auf die Gesellschaft zukommen. Und weiter: „Wenn ich mir im Internet die Liste der freien Stellen in Verbindung mit den äußerst geringen vorhandenen Ausbildungskapazitäten ansehe, erkenne ich mehr als erheblichen Handlungsbedarf.“
Schlipköter deutet hier die Thematik einer kreiseigenen Feuerwehrschule an, die bis dato nämlich noch nicht existiert. „Wir haben zwar Räumlichkeiten in der neuen Kreisleitstelle, aber bei der Finanzierung des Lehrpersonals ist uns kreisweit leider noch nicht der Schulterschluss gelungen“, bedauert der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Guido Vogt.
Bis dato werden die Nachwuchskräfte der Feuerwehren im Kreis an Feuerwehrschulen in anderen Kommunen ausgebildet. Jeder Ausbildungsplatz koste 15.000 bis 20.000 Euro.
„Damit wäre die Refinanzierung einer eigenen Schule sichergestellt“, glaubt Guido Vogt. Auch die drei sich derzeit bei der Feuerwehr Haan in Ausbildung befindlichen Personen können derzeit ein Lied von der Situation singen: Sie besuchen die Feuerwehrschule in Bocholt. agr
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