Haaner Treff - Haaner Treff
29.11.2017

Auch bei Bestattungen gilt: Andere Länder, andere Sitten, andere Gesetze!


Fabian Piepenstock hielt einen hochinteressanten Vortrag und konnte auf allen Fragen der Zuhörer eingehen. HT-Foto: Antje Götze-Römer
Fabian Piepenstock hielt einen informativen und unterhaltsamen Vortrag über ein ernstes Thema.

Haan - Das Seniorennetzwerk „Wir sind Haan“ hatte für Donnerstag, 16. November in die Räume des Beerdigungsinstituts Feldhaus am Alten Kirchplatz eingeladen. Das Thema lautete „Kuriose Bestattungen“, doch während das Seniorennetzwerk in seinem wöchentlichen Newsletter - völlig legitim natürlich - mittels der eher gruseligen Geschichte der Britin Hannah Beswick, die sich nach ihrem Ableben aufrecht stehend in den Kasten einer Standuhr verbringen ließ, einlud, hatte Fabian Piepenstock, der das Unternehmen Feldhaus mit leitet, einen handfesten, aber alles andere als gruseligen Fachvortrag vorbereitet.
Etwa 20 Interessierte hatten sich im Raum des Abschieds der Firma Feldhaus eingefunden, die teilweise nicht schlecht staunten über die kuriosen Ideen im Umgang mit den sterblichen Überresten eines Menschen.
Fabian Piepenstock berichtete über Weltraumbestattungen, die zum Preis zwischen 1.300 und 13.000 Euro in den USA „von findigen Unternehmern“ angeboten werden, und die hierzulande aus unterschiedlichen Gründen eher (noch) nicht denkbar sind. Andere Formen der Bestattung oder Teilbestattung haben zumindest bereits in der unmittelbaren Nachbarschaft, in der Schweiz und in den Niederlanden, einen Raum innerhalb des gesetzlich zulässigen gefunden.
Denn während eine Seebestattung, bei der die vollständige Asche in einer Urne im Meer bestattet wird, in Deutschland schon Gang und Gäbe ist, sieht es bei der ähnlich angelegten Flussbestattung schon anders aus. Für die nämlich muss der Verstorbene eine vorletzte Reise in eines der oben genannten Länder antreten. Das Ausstreuen von Asche oder das Bestatten von Urnen in Flüssen ist in Deutschland nämlich verboten.
Hierzulande ist Bestattungsrecht Ländersache. In NRW wurde das Bestattungsgesetz zuletzt 2014 geändert. Dort ist unter anderem auch festgelegt, dass (mittlerweile) die Ausstreuung der Asche eines Verstorbenen auf deklarierten Flächen gestattet ist. „Allerdings nur, wenn es der Verstorbene genau so vorher festgelegt hat“, erklärt Fabian Piepenstock, dass diese Bestattungsart im Nachhinein durch die Angehörigen nicht gewählt werden kann.
Interessant war es auch zu erfahren, dass die Diamantbestattung in der Schweiz eine offizielle Form der Bestattung ist. Dabei wird die vollständige oder ein Teil der Asche unter extrem hohem Druck zu einem künstlichen Diamanten gepresst. „In der Schweiz ist man nach Abschluss des Vorgangs offiziell beigesetzt, weil eine vollständige Transformation stattgefunden hat“, konnte Piepenstock den Sachverhalt plausibel erläutern.
Auf die Nachfrage einer der Besucher, ob denn ein derartiger nach Deutschland rückgeführter Diamant, denn schonmal zu einem entsprechenden Ordnungsverfahren der hiesigen Behörden geführt habe, antwortete er humorvoll: „Meines Wissens ist noch kein Diamant in Deutschland beigesetzt worden“.
Aber auch innerhalb Deutschlands gibt es durchaus Unterschiede. Beispielsweise darf in Deutschland in der Regel die Urne eines Verstorbenen nicht zu Hause aufbewahrt werden. Eine Ausnahme bildet hier der Stadtstaat Bremen/Bremerhaven: Bremer Bürger, und zwar ausschließlich Bremer Bürger können hier eine Ausnahmegenehmigung erwirken.
Fabian Piepenstock wagte aber auch den Blick in die Vergangenheit und über den Tellerrand: Wie wurde in anderen Epochen bestattet, wie in anderen Kulturen?
Im Trend sei auch einmal gewesen, seine sterblichen Überreste in den Dienst der Wissenschaft zu stellen, Plastination und Body Farm wurden hier als Beispiel genannt und die Spende an ein anatomisches Institut. Letzteres sei mittlerweile aber gar nicht mehr so einfach, weil ein Überangebot bestehe und es ein regelrechtes Bewerbungsverfahren gebe, erklärte Piepenstock.
Ein Blick in die Zukunft zeigte die Möglichkeiten Kryonik, bei der der Körper quasi eingefroren wird und auf Wiederbelebung wartet (USA) und Resomation, bei der der Körper verseift wird (USA). Eine weitere zukunftsweisende Variante sei Promession. Promession ist eine neu entwickelte Bestattungsmethode durch Gefriertrocknen und anschließendem Kompostieren des Granulats. Diese Methode ist im Bestattungsrecht von Niedersachsen bereits berücksichtigt und gestattet. agr
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